Gabi Seifert

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Gabi Seifert
Gabi Seifert
Gabi Seifert (* 1946 in Mannheim, Deutschland) bei den Salzburger Festspielen als Souffleuse für das Schauspiel "Quartett" engagiert. Wenn sie nicht Schauspielern aus der Patsche hilft, die ihren Text vergessen haben, posiert sie als Senior-Model. Sie ist gelernte Schaufensterdekorateurin, hat eine Tischlerlehre absolviert und bietet mediale Lebensberatung durch Kartenlegen an.

[Bearbeiten] Vorgestellt

Ein Platz in der ersten Reihe ist immer für sie reserviert. Im Halbdunkel fliegen die Augen der Souffleuse zwischen Text und Bühne hin und her. Gabi Seifert wägt ab, ob ein Schauspieler eine Sprechpause gewollt oder ungewollt in die Länge zieht und wann es Zeit ist, ihm aus der Patsche zu helfen. "Die Schauspieler geben mir auf sehr unterschiedliche Weise zu verstehen, dass sie hängen. Der eine schnipst mit den Fingern, ein anderer baut sein Blackout in den Text ein", erzählt die 61-Jährige, die ihren Geburtstag heute in Salzburg verbringt. "Der Text, den ich dann gebe, muss ganz natürlich und laut kommen." Eigentlich kommt Gabi Seifert aus Mannheim, derzeit sagt sie den Schauspielern Barbara Sukowa und Jeroen Willems bei den Salzburger Festspielen ein – wenn es denn notwendig ist.

"Souffleusen sind meist weiblich, verdienen wenig und ihre Arbeit wird nicht wertgeschätzt. Das ist vielleicht der Grund, warum es gar kein deutsches Wort für die Soufflage gibt", erklärt sie. "Am Theater kann man im künstlerischen oder im technischen Bereich arbeiten. Die Souffleusen gehören nirgends dazu. Ihr Job ist einsam." In Salzburg habe sie dahingehend eine Überraschung erlebt. "Nach der Vorstellung geht das ganze Ensemble gemeinsam aus. Die Schauspieler schätzen, was ich tue."

Früher wäre der Job außerhalb des Scheinwerferkegels nichts für sie gewesen. "Ich bin nicht eine von denen, die sich unsichtbar machen." Im Gegenteil – Gabi Seifert lernte Schaufenster zu dekorieren und machte eine Tischlerlehre. "Dann habe ich für meine Tochter auf ein Inserat eines Theaters geantwortet. "Ihr hat’s nicht gefallen, aber ich bin geblieben", erzählt sie.

Das Theater hat sie in seinen Bann gezogen. "Es ist ein geschützter Raum, in dem man viele Dimensionen des Lebens abtasten und abschmecken kann, ohne sie selbst erleben zu müssen. Ich brauche nicht selbst zu morden, um eine Ahnung davon zu bekommen", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Von der Requisite über das Bühnenbild bis zu kleineren Rollen hat sie das Theater aus allen Perspektiven kennen gelernt – auch mitbegründet hat sie eines, das "Tig im Quadrat" in Mannheim. "Fünf Jahre ohne Zuschüsse, das war nicht einfach." Inzwischen hat sie sich freigespielt.

"Als Souffleuse bekommt man wenig Feedback. Die Wirkung meiner Arbeit kommt sehr wenig zur Geltung", beschreibt Gabi Seifert ihren Berufsalltag. Deshalb jobbt sie daneben als Senior-Model, legt Karten und blickt in die Zukunft. Ihre eigene führt sie nach den Festspielen an die Côte d’Azur. "Dort möchte ich leben." Auch einen zweiten Festspielsommer in Salzburg schließen die Karten nicht aus.


[Bearbeiten] O-Ton

Ich bin nicht eine von denen, die sich unsichtbar machen. Von meinem Naturell her bin ich laut.

Es gibt im Theater den künstlerischen und den technischen Part. Die Soufflage gehört nirgends hinein. Es ist ein einsamer Beruf.

Im Theater bekommt man eine Ahnung von den Höhen und Tiefen des Lebens, ohne sie selbst durchmachen zu müssen.

Das Theater zeigt Möglichkeiten auf, ohne lehrhaft zu sein.

[Bearbeiten] Quelle

  • Salzburger Nachrichten (Gudrun Doringer)
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